Archivgebäude

Vom Kreishaus zum Kommunalarchiv

Kommunalarchiv Minden

Kommunalarchiv Minden

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Verwaltung der preußischen Landkreise noch so überschaubar, dass sie in den Privatwohnungen des Landrats oder in angemieteten Büroräumen Platz fand. Mit der westfälischen Kreisordnung von 1887 stiegen die Aufgaben im Bereich der kommunalen Selbstverwaltung aber massiv an. Zahlreiche Büros und Dienststellen wie die Kreissparkasse waren über die ganze Stadt verteilt. Auch der Kreistag konnte seine Sitzungen nur wenig repräsentativ als Gast in der landrätlichen Privatwohnung oder im städtischen Rathaus abhalten. Die wachsende Verwaltung benötigte dringend ein eigenes Gebäude.

Mit der Auflösung der Mindener Festungsanlagen nach 1873 standen wertvolle Baugrundstücke zur Verfügung. Für den Kreis Minden ergab sich 1905 die Gelegenheit, ein Grundstück an Tonhallenstraße und Klausenwall zu erwerben. Landrat Christoph Bosse, der sich für ein eigenes Kreishaus stark machte, führte am 25. November 1905 den Grundsatzbeschluss des Kreistages herbei. Der Kreisausschuss wurde ermächtigt, das Grundstück zu erwerben und Pläne für ein Verwaltungsgebäude ausarbeiten zu lassen. Als Planer und Baumeister gewann man den Architekten Paul Kanold. Er hatte dem gesamten Stadtviertel seinen Stempel aufgedrückt und bereits das Regierungsgebäude entworfen und die Gestaltung des Stadttheaters überarbeitet.

Der heutige Lesesaal des Kommunalarchivs Minden diente früher als Sitzungssaal des Kreises Minden

Lesesaal des Kommunalarchivs Minden

Nachdem Kanold im März 1906 den Entwurf ausgefertigt hatte, wurde am 28. März 1906 die Bausausführung durch den Kreistag beschlossen. Am 11. November 1907 wurde Richtfest gefeiert. Im Laufe des Sommers 1908 zogen die ersten Dienststellen ein. Am 24. Oktober 1908, dem 260. Jahrestag des Westfälischen Friedens, wurde mit allem wilhelminischen Pomp die Einweihung des Hauses gefeiert. Die Gesamtkosten des Kreishauses betrugen 424.325,98 Mark und lagen damit knapp über den veranschlagten 370.000 Mark.

Das Gebäude war so großzügig bemessen, dass es neben dem eigentlichen Verwaltungstrakt noch Platz für die Kreissparkasse und die Landwirtschaftliche Winterschule bot. Fast Ein Drittel des Kreishauses wurde als repräsentative Dienstwohnung vom Landrat, seiner Familie und dem Dienstpersonal genutzt. Im Innenhof stand eine Remise für den „Fuhrpark“ des Landrats zur Verfügung.

Durch Aufgabenvermehrung im Rahmen des Ersten Weltkrieges musste 1916 das Dachgeschoss ausgebaut werden. Die Raumnöte führten bald zum Auszug einiger Einrichtungen. 1927 erhielt die Landwirtschaftsschule einen eigenen Bau an der Rosentalstraße (sog. Petersenschule). Die Kreissparkasse zog 1937 in das neu erbaute, schräg gegenüber liegende Gebäude Tonhallenstraße 2.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich die Unterbringungsprobleme weiter fort. 1954 musste der erwähnte Sparkassenneubau bereits als Kreishaus I für Verwaltungszwecke umfunktioniert werden. 1959 wurde die landrätlichen Dienstwohnung aufgelöst und zu Büroräumen umgewandelt. Ende der 1960er Jahre begann der Landkreis Minden die Planungen für einen Neubau an der Portastraße. 1970 erfolgte die Grundsteinlegung. Eine Bauverzögerung trat durch die Gebietsreform 1973 ein, als das im Bau befindliche Kreishaus noch um Flächen für die Lübbecker Kollegen erweitert werden musste. 1975 konnte das Kreishaus an der Portastraße bezogen werden. Von 1975 bis 1977 zog sich der Umzug der Dienststellen hin. Im alten Kreishaus Tonhallenstraße verblieb nur noch das Straßenverkehrsamt, bis dieses 1980 ebenfalls einen Neubau an der Wittekindsallee bezog. Das alte Kreishaus wurde nur noch von einer Abteilung der Kreispolizeibehörde genutzt und stand ansonsten leer. Ein Verkauf an das benachbarte Bundesbahnzentralamt für den symbolischen Preis von 1 Mark scheiterte. Mit der Gründung des Kommunalarchivs 1979 entschied man sich zur Nutzung des Kreishauses als Archivgebäude. Ein Teilabriss des Gebäudes zur Erweiterung des Klausenwalls, der 1980 beschlossen wurde, konnte durch Einbau eines Radfahrer- und Fußgängertunnels verhindert werden. Hierzu musste die Außentreppe am Eingang Tonhallenstraße 5 um 180 Grad gedreht werden, um sie in ihrer historischen Substanz zu erhalten. 1983 bis 1986 erfolgte eine aufwendige Restaurierung des Gebäudes, die überwiegend den Zustand von 1908 wiederherstellte. Nachdem bereits 1985 die ersten Bestände aus dem alten Stadtarchiv an der Königsstraße überführt wurden, konnte das neue Domizil des Kommunalarchivs Minden am 24. Oktober 1986 offiziell eingeweiht werden.