Mindener Kommunalarchiv lädt zur Zeitreise ein

Als Kindheit anders war / Neun Stationen
VON STEFAN KOCH

Minden (sk). Es gab eine Badeanstalt am Weserufer, auf dem Schwanenteich wurde noch richtig Schlittschuh gefahren, Mädchen und Jungen gingen getrennt zur Schule – wenn sie nicht zu Hause Zigarren drehen mussten: Dies und noch viel mehr erfuhren die jungen Teilnehmer einer kulturhistorischen Führung mit Museumspädagogin Jana Mauritz.

Die Kindheit vor 110 Jahren war nämlich das Thema einer Spurensuche in der Mindener Innenstadt. Dazu hatte das Kommunalarchiv Minden Kinder und Jugendliche eingeladen. Gefördert wurde der zweistündige Rundgang zu besonderen Orten vergangener Alltagswelten vom Landesprogramm Kulturrucksack NRW. Jana Mauritz verteilte Fragebögen und lieferte an neun Stationen mit Bildern aus dem Archiv passende Eindrücke.

Die Gruppe startete am Schwanenteich und Weserglacis, wo der Wassersport vor 110 Jahren Thema war. An der Simeonstreppe und der heutigen Eine-Welt-Schule kamen die Kinderspiele an die Reihe, da früher vor allem draußen und auf der Straße die Freizeit stattfand. Weiter führte der Weg zur ehemaligen Bürgerschule, in der sich heute Wohnungen befinden. Früher wurden dort Jungen beschult. Die Mädchen gingen dagegen in das Lyzeum – heute das leerstehende Pfarrhaus an der Martinikirche. Hier war der damalige Schulalltag das Thema, unter anderem auch die körperliche Züchtigung von Kindern in der damaligen Zeit.

An der Martinitreppe standen dagegen Märkte und Messen, die in diesem Umfeld traditionell in Minden stattfanden, im Vordergrund. Am Dom sprach Mauritz mit den Kindern über besondere Ereignisse wie eine Zeppelinfahrt, das Freischießen und andere Veranstaltungen.

Dass Kindheit früher keineswegs besser war als heutzutage, wurde den Teilnehmern der Kulturführung am letzten Punkt der Zeitreise deutlich. In der Fischerstadt war unter anderem Kinderarbeit ein Thema. Jungen aus armen Familien mussten früher in der Zigarrenindustrie dazuverdienen. Mädchen wurden als Dienstmädchen eingespannt.

Würde ich gerne im Minden des 19. Jahrhunderts leben? Was ist heute besser? Diese und andere Fragen beantworteten die jungen Teilnehmer der Führung in Fragebögen, die nun im Kommunalarchiv liegen. Auch diese Schriftstücke werden nun für die Nachwelt aufbewahrt.